06.08.2017 : Havanna

Havanna – DIE Stadt

Eine Rundfahrt durch die Stadt außerhalb des Zentrums ist für heute geplant. Dazu haben wir uns über die Mitarbeiter des „Casa Piculares“ einen Stadtführer gebucht.

Der ältere Herr, ein ehemaliger Lehrer mit sehr guten Englischkenntnissen holt uns in seinem Auto ab: Ein Opel Rekord, Baujahr 1959, Erstbesitz. Er hat ihn mit seinem Vater 1960 vom Autohaus in Havanna abgeholt. Auf der Fahrt zu einem anderen Hostal, in dem wir noch zwei Tourbegleiterinnen abholen, erzählt er uns einiges über sein Auto. Bis 2005 hat das Rüsselsheimer Triebwerk seine Arbeit verrichtet, seitdem treibt ein Lada Motor den grünen Blitz an. Selbst der Motortausch wird staatlich reguliert, zuvor musste ein Antrag gestellt werden. Kubanische Mechaniker müssen Weltmeister in der Konstruktion von Ersatz- und Austauschlösungen sein. Viele der unzähligen Oldtimer werden mittlerweile mit Triebwerken völlig anderer Autos bewegt. Bei den größeren amerikanischen Oldies wird bei den Arbeiten gerne aus einer Limousine ein Cabriolet. Mit so einem schicken Fahrzeug in bunten knalligen Farben findet man immer Fahrgäste unter den Touristen. Dazu muss man wiederrum eine Taxilizenz erwerben und entsprechende Steuern abführen.

Die Fahrt geht, mittlerweile zu fünft, zu dem westlichen Randbezirk Jaimanitas. Hier hat der mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Künstler Jose Fuster eine surreale Landschaft aus Keramikplättchen erbaut, die bis auf den heutigen Tag wächst. Fusters Vorbild sind Gaudi und Picasso, was man beim Betrachten der Skulpturen unschwer erkennt. Die Landschaft erfasst mittlerweile 80 Wohnhäuser. Jede einzelne der Arbeiten erzählt eine Geschichte.

An sowjetische Architektur erinnert der Platz der Republik, unser nächstes Ziel. Ein riesiges Mahnmal an einem ebenso riesigen Platz gibt reichlich Platz für Großveranstaltungen. Alle drei letzten Päpste haben hier Messen abgehalten. Umringt ist der Platz mit den Gebäuden Palast des Staatspräsidenten, dem Verteidigungsministerium und der Nationalbibliothek, alles in postsowjetischer Bauweise.

Wieder Richtung Zentrum gelangen wir in unserem fahrenden Rüsselsheimer Backofen (Klimaanlagen gab es 1959 natürlich nicht) zum „Rumba del Callejon del Hamel“. Dieses Künstlerdorf wird inspiriert von der Santeria, einer Glaubensgemeinschaft die sich aus afro-amerikanischen Glaubensrichtungen und dem Christentum gebildet hat. Die Santeria hat ihren Schwerpunkt in Kuba. Ein Kult der Glaubensanhänger ist es, sich weiß zu schminken. Tanzen steht beim Leben der Religionsgemeinschaft in der Rangliste ganz oben. Jeden Sonntag gibt es Tanzveranstaltungen. Deses besuchen wir und können gleichzeitig den Skulpturenpark der Künstlergemeinschaft besichtigen. Das ganze hat Volksfestcharakter.

Durch den mit fast 1.000 Metern längstem Tunnel Kubas fahren wir unter dem „Bahia de la Habana“ nach Osthavanna. Hier steht die Festung San Carlos und gleich daneben das Mahnmal der Krise von 1962. Die UDSSR hatte S4 Raketen mit Nuklearsprengköpfen in Kuba stationiert. Nach dem Abschuss eines amerikanischen Militärflugzeuges stand die Welt vor dem dritten Weltkrieg.

Unsere Rundreise mit der interessanten und detaillierten Erläuterung durch unseren Guide beenden wir in Vieja am Platz der Kathedrale in einem Restaurant mit Livemusik. Selbst die Mittagshitze sorgt nicht für eine Ermüdung der kubanischen Lebensfreude.

Am Abend gehen wir erneut zur nahe gelegenen Malecon, der Küstenstraße.

Ein kleines privates Restaurant bietet leckere Speisen zu deutlich günstigeren Preisen als im Zentrum. Der obligatorische Cocktail zum Abschluss darf nicht fehlen. Als wir das Lokal verlassen ist bereits ein lebhaftes Treiben am Ufer im vollen Gange. Wir mischen uns unter die Leute, Touristen und Einheimische, Alt und Jung, alles ist vertreten. Händler mit kleinen Handkarren verkaufen Süßigkeiten, kleine Speisen, eisgekühltes Bier und natürlich Cocktails mit kubanischem Rum.

Den Abend verbringen wir auf dem Balkon unseres Hostal- Appartements. Es gibt mit gerade anreisenden Belgiern noch einen interessanten Reiseerfahrungsaustausch.

 

 

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