28.01.2020: Anuncion – Filadelfia

Gestern Abend hat ein reger Mailverkehr zwischen dem Autovermieter und mir begonnen, da mein reserviertes Auto in der Werkstatt gelandet ist. Ich könnte jetzt wählen zwischen Kleinwagen und Minibus. Beides scheint mir für die Strecke durch den Chaco nicht angemessen.
Ich lasse mich zum Flughafen fahren. Der der Vertrag mit Sixt wird storniert. Schnell ist bei einem Mitbewerber ein anderes Auto gefunden, ein allradgetriebener Pickup. So sitze ich um10:30 Uhr im Geländewagen und suche einen Supermarkt. Gar nicht so einfach. Wieder lande ich im neuen Teil von Asuncion, der flächenmäßig die Altstadt deutlich übertrumpft. Als alles zusammen ist, geht es über eine der zwei Brücken (gebührenpflichtig) über den Rio Paraguay im Land auf die Routa 9, die Transchuca, Richtung Nordwesten. Die Besiedlung wird immer dünner, hier kommt maximal ein Einwohner auf einen Quadratkilometer. Und die wohnen vermutlich alle an dieser Straße. 470 Kilometer grünes Land, genannt Chaco sind es bis zu meinem Zielort Filadelfia. Früher nannte man das Gebiet die grüne Hölle. Die Qualität der Straße wechselt stark. Besonders zum Ende hin wird es schlimm, doch große Baustellen künden von einem 4- spurigen Ausbau. Die Behörden lassen es sich dennoch nicht nehmen, nach etwa 200 Kilometern eine Mautstelle aufzubauen und eine Straßengebühr zu kassieren. Paraguay hat sehr wenige asphaltierte Straßen. Nach unspektakulären 5 ½ Stunden komme ich in Filadelfia an. Filadelfia ist ein Ort der Siedlungsgruppe Fernheim.
Russlanddeutsche Mennoniten haben sich Anfang des 20. Jahrhunderts in dieser Abgeschiedenheit angesiedelt und deutsche Kultur hierhin getragen. Überall sind deutsche Beschriftungen und Straßennahmen zu sehen. Es wirkt wie ein kleines Museum. Ich habe eine Nacht in einem 15 Kilometer außerhalb gelegenen landwirtschaftlichen Betrieb „Estancia Iparoma“ gebucht. Doch als ich dort ankomme, ist das Gate verschlossen. So fahre ich wieder zurück in den Ort und suche mir ein Zimmer. Gleich werde ich auf Deutsch angesprochen. Ich hätte Glück, die letzten Tage waren es 41 Grad, jetzt nur noch 29 Grad. Ich schaue auf die Uhr, es ist 19:30 Uhr. Puh!
Marylin, die Dame aus dem Estancia Iparoma meldet sich noch einmal und sagt, der Hauptzugang wäre wegen eines bösen Nachbarn – ihr Bruder – versperrt, ich müsse von einer anderen Seite anfahren. Sie ist so nett, da willige ich ein, dort morgen zu übernachten. So bleibt mir ein Tag in Filadelfia.
Im Biergarten der Stadt sind wieder viele deutsche Stimmen zu hören. Touristen meine ich keine außer mir erkannt zu haben.

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