09.09.2019: Gisenyi und Ruhondo

Wir verlassen das sehr gastliche Hotel. Manchmal wird etwas übertrieben: Bei der Abfahrt gibt es in Aluminiumfolie eingewickeltes Gebäck, das Auto wird mit Blumen beworfen – wir waren die einzigen Gäste. Alex fährt uns zum Grenzübergang zur Demokratischen Republik Kongo. Wir hatten gehört, dass der Grenzübergang wegen der Ebolagefahr geschlossen ist, jedoch sieht dies gar nicht danach aus. Es herrscht ein lebhaftes Treiben, überall in der Stadt sind Autos mit einem Kennzeichen aus dem Kongo zu sehen. Wir sehen uns das lebhafte Treiben eine Weile an. Fotos dürfen hier nicht gemacht werden. Dann steuern wir die Promenade des Städtchens an. Man sieht ihr ihren ehemaligen Glanz an, leider ist dieser etwas verblasst. Dennoch findet man hinter dem gepflegten Stadtstrand mit Park teure Hotelanlagen, zum Teil in ehemaligen Kolonialbauten.


Das nächste Ziel ist die Vulkanregion am Dreiländereck Ruanda, Kongo und Uganda. Hier wollen wir wieder eine Treckingtour buchen. Dazu steuern wir das Migano Hotel in der Kreisstadt Ruhengeri an. Wir haben gelesen, dass man in dem preiswerten Hotel gut informiert wird.

Unsere Wäsche wandert dort gleich in die Reinigung, für morgen buchen wir eine Tour und für den Nachmittag werden uns die nahen Höhlen zur Besichtigung empfohlen. Da dies jedoch erneut den Kauf eines sündhaft teuren Permits bedeuten würde fahren wir mit Alex lieber zum nahen „Lake Ruhondo“. Dieser soll laut unserem Reiseführer sehr schön sein. Die Strecke führt asphaltlos etwa 20 Kilometer über Stock und Stein, was unserer Familienkutsche ganz schön zusetzt. Kurz hinter dem Ort Ruhondo ist dann endgültig Schluss und wir legen die letzten Meter zum See zu Fuß zurück. In dem Dorf, in dem wir parken sind wir nun die Tagesattraktion. Scheinbar haben sich bisher nicht viele Touristen hierhin verirrt. Sofort gesellt sich ein „Touristenführer“ mit einem beeindruckenden Ausweis zu uns und wir haben eine reichhaltige Kinderschar im Schlepptau. Neugierige Blicke verfolgen jede unserer Bewegungen. Auf meine fragenden Zeichen, ein Foto machen zu dürfen, treffe ich teils auf energische Ablehnung und teils auf freundliche Zustimmung. Zwei Frauen auf einem Acker schauen mich an. Als sie bemerken, dass ich sie fotografiere, setzen sie ihre Arbeit für das Foto besonders in Pose und freuen sich, dass ich sie dabei fotografiere.



Wir gehen einige Höhenmeter bis zum See bergab und Alex übersetzt die Kommentare des „Touristenführers“. Wir erfahren, dass einige Investoren Land am See und sogar ganze Inseln gekauft haben. Dann wird es hier vermutlich mit der authentischen Landschaft bald vorbei sein. Sauberes Wasser und sogar Elektrizität werden vom Staat gegen kleines Geld zur Verfügung gestellt. Nach seiner Aussage verzichtet der, der diesen Komfort nicht hat, freiwillig darauf.

In unserer Navigations- App ist in dem abgelegenen Dorf der Eintrag „Local sorghum beer bar“ zu finden. Diese hat allerdings gerade geschlossen, doch unsere Begleiter machen alles möglich um drei Flaschen selbstgebrautes Bananenbier, ein Traditionsgetränk in Ostafrika, aufzutreiben. Ich kaufe die unbekannte Flüssigkeit für umgerechnet 1,20 € und werde diese wohl alleine trinken müssen. Alex und Jost schauen mich verwundert an, als ich die Flasche an den Hals setze. Ich finde es gar nicht so schlecht. Wir verlassen das Dorf wieder zusammen mit einem neuen Fahrgast: Ein älterer Mann möchte mit in die Stadt genommen werden.

Was für ein toller Ausflug, endlich waren wir mal in einem authentischen, fast unberührtem, Dorf. So schön hätte keine Höhle sein können. Als wir wieder auf unser Hotelzimmer gehen, gibt es eine kleine Überraschung. Unsere Wäsche ist sauber wieder in Tüten zurückgebracht worden, jedoch feucht und zusammengeknüllt. Wir eröffnen also ein Trockenlager im Zimmer, wozu sich das große Moskitonetz ganz gut anbietet. Schon haben wir Campingatmosphäre. Den Abend verbringen wir in einem in unserem Reiseführer angepriesenem Restaurant. Der Reisführer ist überarbeitungsbedürftig, das Restaurant hat einen Sanierungsstau.

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