15.08.2017 Santa Clara

Der wahre Sozialismus

 

Scherben bringen Glück, denkt sich das Waschbecken, als es dem Gewicht der Zahnbürste nicht standhält und mit einem lauten Getöse am Boden in einem Trümmerhaufen endet. Die Haken aus Weichplastik haben dem Gewicht nicht stangehalten. Nicht wirklich schuldbewusst, eher aus Mitleid, bezahlen wir dem entsetzten Vermieterehepaar die 50 CUC für das Waschbecken.

Wir verlassen Trinidad nordöstlich und halten bereits nach 16 Kilometern am Gut „Manaca Iznaga“. Der heimtückische Pedro Isznaga kaufte 1795 das Gut und war der reichste Mann der Region, der durch skrupellose Handelsgeschäften mit Sklaven sein Vermögen machte. Er lies ein großes Herrenhaus und einen 44 Meter hohen Turm errichten. Vom Turm wurden die Sklaven bei der Arbeit beaufsichtigt, heute ist er für Touristen freigegeben.

Über eine eindrucksvolle Mittelgebirgslandschaft führt uns die Straße in die Stadt Santa Clara. Diese Stadt im geografischen Zentrum Kubas glänzt weniger durch Prachtbauten und Sehenswürdigkeiten als mehr durch die Tatsache, das von hier aus die Revolution begann. Der Revolutionär Che Guevara ist fast an jeder Ecke präsent. Nach seiner Erschießung im Jahr 1967 in Bolivien war er dort an einem geheimen Ort vergraben, jedoch wurden seine Gebeine 1997 nach Kube überführt und in einem Mausoleum in Santa Clara beigesetzt. Neben dieser Besonderheit besticht die Stadt durch eine Reihe von Kulturfestivals. Auch heute werden große Verstärkeranlagen vor dem Theater am Parque Vidal für ein nächtliches Technokonzert aufgebaut.

Der Rundgang durch die Stadt zeigt deutliche Unterschiede zu den bisher besuchten Städten. Santa Clara ist weniger touristisch und deutlich mehr sozialistisch. Die staatlichen Geschäfte auf dem Boulevard bieten ein eher trauriges Bild, wie ich es nur von Geschäften des ehemaligen Ostblocks kannte. Die Vielfalt der angebotenen Waren ist eingeschränkt. Manche Produkte sind überreichlich vorhanden, so zum Beispiel Essig. Andere Produkte fehlen ganz. Das managen eines Haushalts muss im Alltag sehr anstrengend sein. Um in den Geschäften Regale nicht leer stehen zu lassen, werden Produkte großzügig verteilt oder wie im Kaufhaus am Plaza Major gesehen, Eimer und Waschschüsseln einzeln im Regal verteilt.

Der Rundgang mit der Kamera ergibt heute eine eher magere Ausbeute. Santa Clara liegt im Landesinneren und wurde von vor Piraten flüchtenden Einwohnern der Stadt Remedion am Atlantik gegründet. Wir wollen es morgen entgegensetzt angehen und der Hitze der Stadt durch einen Besuch der Atlantikküste entgehen.

Ein Volltreffer ist der Besuch des privat betriebenen Restaurants „Florida Center“, was uns erneut mit Hummer zu einem kleinen Preis verwöhnt. Das Kolonialhaus mit einigen Tischen in einem üppig begrünten Innenhof ist gut ausgebucht, so sind wir froh bereits mittags reserviert zu haben.

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